Schwicheldter Hügel
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Neun Hütten - das war der Anfang!

Am 11. März 1146 bestätigt Bischof Bernhard dem Kloster St. Godehardi in Hildesheim das Eigentumsrecht an neun Hütten, die Schwicheldt genannt werden.
Heute zählt Schwicheldt, sechs Kilometer südwestlich von Peine an der Straße nach Hannover gelegen, ca. 1300 Einwohner. Schreibweisen des Ortes, wie sie in frühen Urkunden auftauchen, sind "Shvegelten" (1131), "Sueglete" (1146), "Suechlete" (1160), "Swechlite" (1181), "Swelethe" (1215) und "Sweglete" (1243). Das St. Godehardi-Kloster erwarb in Schwicheldt planmäßig ansehnlichen Grundbesitz. Abt Theodorich erbaute zum Schutz und als Zufluchtsstätte der Einwohner eine Kirche, nach deren Vollendung 1185 Bischof Adelog das Dorf aus dem Pfarrverband mit der bisherigen Mutterkirche (wahrscheinlich Groß Solschen) löste und es zu einer selbstständigen Pfarrei erhob. 1187 wird in einer Urkunde erwähnt, dass Abt Dietrich die Kirche mit einem Wall umfrieden ließ. Die Befestigung wurde angelegt wegen der vielfachen Ausfälle und Plünderungen, welche die Kinder der Welt verübten.« Der untere Teil des Turmes der heutigen neugotischen Kirche von 1843 stammt noch von dem alten Bau des Abtes Theodorich.

Das Gut Schwicheldt

… war der Stammsitz des sich nach dem Orte nennenden Geschlechts, von dem urkundlich zuerst 1169 Elveric, Reindag und Bertoldus auftreten. Heute wird das Gut von der Familie des Grafen von Hardenberg bewohnt und bewirtschaftet. 1360, so wird in einer Urkunde berichtet, übernahmen die Gebrüder von Oberg einen Hof zu Schwicheldt, auf dem ein Haus mit einem Backhaus stand. Um 1550 erbaute Christoph von Oberg, der damals Schwicheldt besaß, in der Feldmark von Schwicheldt an der alten Heerstraße Peine-Hannover die Giesenburg. Die Flurbezeichnung "Der Burgkamp" erinnert noch an diese Trutzfeste gegen das Haus Peine, mit dem der Herr von Oberg noch eine alte Rechnung aus der Zeit der Stiftsfehde zu begleichen hatte. Aber Peine hatte mächtige Rückendeckung. Es befand sich seit 1526 im Pfandbesitz der Stadt Hildesheim, und diese legte Verwahrung gegen den Bau der Giesenburg ein. Christoph von Oberg fügte sich offenbar den Drohungen: der Ausbau der Burg unterblieb und die Anlage verfiel mit der Zeit wieder. Dicht bei der Burg hat anscheinend auch ein Ort "Giesen" gelegen.
Das Bischöfliche Verzeichnis von 1758 im Hildesheimer Domarchiv nennt in Schwicheldt den Jahrhunderte alten »Schaffers Hof« mit Hans Heinrich Hollmann und den "Weißen Hof" mit Franz Ernst Stahl. Von jedem Hofe mit je hundert Morgen gingen um 1750 zwei Gespanne Pferde. Aus der Zeit von 1775 bis 1900 sind aus Schwicheldt zahlreiche Akten und Einzeldokumente erhalten, die sich heute im Kreisarchiv befinden. Darunter sind Unterlagen über Fuhrdienste, die die Bauern in der Zeit von 1805 bis 1813 leisten mussten, als unser Gebiet zum Königreich Westfalen von Napoleons Gnaden gehörte. Militärisch gesehen gehörte Schwicheldt zur Etappe Peine. Die Einwohner wurden zum "extraordinäreren" Vorspann herangezogen. Wir erfahren, dass die pferdebespannten Wagen, meist mit Hafer, Fourage oder Bagage beladen, nach Orten in den Gebieten von Peine, Braunschweig, Northeim und Burgdorf rollten. Bis zu sechs Tagen waren die Schwicheldter Bauern mit ihren Gespannen im Dienste der »Großen Armee« bei jeder Jahreszeit unterwegs.
Die spätere Dampfziegelei von Julius Buchholz war noch in den 1960er Jahren die älteste Ziegelei des Kreises. Sie gehörte ursprünglich dem Grafen von Schwicheldt, der sie im Spiel an den Grafen von Oberg verloren haben soll. Um 1800 wechselte sie verschiedentlich den Besitzer. Im April 1937 kam sie in den Besitz der Familie Buchholz. Heute erinnert das relativ neue Baugebiet mit dem Straßennamen "Zur Alten Ziegelei" an den früheren Standort des Betriebes. Andere Straßenbezeichnungen wie "Zum Alten Bahnhof" und "Am Alten Bahndamm" erinnern an die Hildesheim-Peiner Kreiseisenbahn, auf der allerdings 1956 der Personenverkehr und 1965 der Güterverkehr eingestellt wurden.
Schwicheldt hatte schon in der Nachkriegszeit eine nicht unerhebliche Wohnbautätigkeit am Nordrand und im Bereich der sogenannten Pechschwarte in Richtung Rosenthal entfaltet. Forciert wurde diese Entwicklung durch den erheblichen Zuzug von Flüchtlingen und Vertriebenen aus den deutschen Ostgebieten, die nach dem verlorenen Krieg an Polen abgetreten werden mussten. Die Einwohnerzahl Schwicheldts stieg so von 694 (1939) auf 1502 (1948). Die Integration dieser Neubürger verlief weitgehend vorbildlich. Viele von ihnen betätigten sich als Handwerker und Gewerbetreibende und trugen auch politisch und gesellschaftlich zur Entwicklung des Ortes bei.
Die zunehmende Beschäftigung von Schwicheldtern im Peiner Stahlwerk und auch im Autobau veränderte den Charakter des bisherigen Bauerndorfes darüber hinaus. Auch heute wird weiter in Schwicheldt gebaut: Das Baugebiet "Im Bründelkampsfeld" zwischen alten Dorf und Mittellandkanal wird sukzessive erweitert.
Nachdem die Gemeinde in den 1950er Jahren zunächst die beiden älteren Schulgebäude und drei Lehrerdienstwohnungen modernisiert hatte, entschied sie sich zur Bildung eines Schulzweckverbandes mit der Nachbargemeinde Rosenthal mit dem Ziel, in der Pechschwarte eine Mittelpunktschule zu schaffen, die 1965 eröffnet wurde. Außer Schwicheldt und Rosenthal gehörten noch Berkum und Equord dem Zweckverband an.
In dieser heutigen, vor kurzem baulich aufwendig modernisierten Grundschule Rosenthal/Schwicheldt werden inzwischen Kinder aus Schwicheldt, Rosenthal, Berkum, Handorf, Equord und Mehrum beschult. Seit Kurzem ist die Schule auch Ganztagsschule. Neben der Schule besteht inzwischen ebenfalls seit Jahrzehnten der Kindergarten Rosenthal/Schwicheldt. Die ehemaligen Schulgebäude im Ort dienen heute als "Bürgerhaus" (zunächst Rathaus) sowie als Standort der Ortsfeuerwehr.
Auf dem Wege eines Zweckverbandes hatte Schwicheldt zusammen mit Rosenthal auch seine Abwasserprobleme gelöst und im Jahre 1962 eine Kläranlage gebaut, die allen damaligen Erwartungen entsprach. Auch weitere Infrastrukturmaßnahmen wie Straßenbau und Straßenbeleuchtung, Wasserversorgung und Müllabfuhr wurden im Wesentlichen in den 1950er und 1960er Jahren vorgenommen bzw. ausgebaut.

Bürgermeister dieser Jahre 1948-1972 war Wilhelm Brendecke (1972 zum Ehrenbürgermeister der Gemeinde Schwicheldt ernannt). Ihm folgte 1972 Gerhard Mill, ab der Eingemeindung Schwicheldts in die Stadt Peine (1974) bis 1996 als Ortsbürgermeister (1996 zum Ehrenortsbürgermeister ernannt), gefolgt von Ortsbürgermeisterin Ute Alheid (1996-2016). Seit 2016 ist Ortsbürgermeister Christian Bartscht Vorsitzender des von den Schwicheldtern alle fünf Jahre zu wählenden fünfköpfigen Ortsrates.

 

Quelle: Bildatlas des Landkreises Peine, herausgegeben anlässlich des 100-jährigen Bestehens der Kreissparkasse Peine 1966. Texte von Werner Raddatz, Peine - aktualisiert von Gerhard Brendecke 2017

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